Aus der Geschichte von Bocksberg

Vor mehr als 800 Jahren errichtete ein vornehmes Adelsgeschlecht aus dem nahe gelegenen Ort Laugna auf dem „Schlossberg“ eine Hochburg aus Stein, wie es zur Stauferzeit üblich war. Dieser neue Adelssitz, mit Mauern bewehrt und mit einem mächtigen Quaderturm beherrschte seitdem das Dorf Bocksberg. So ähnlich könnte die alte Steinburg ausgesehen haben. (Bild von ?? im Bürgerstüble BocksbergIn einer Urkunde von 1190 wird erstmals ein Heinrich von Bocksberg erwähnt. Er gehörte einem vornehmen Adelsgeschlecht an, das einen schwarzen Steinbock auf einem Vierberg im Wappen trug. Er und die weiteren Ritter von Bocksberg waren Edelfreie (nobiles) und zählten zu den ältesten und angesehensten Familien im ehemaligen Reichsstift Augsburg.

Als dieses Geschlecht ausgestorben war, übernahmen die Marschalke von Bocksberg die Herrschaft. Sie begaben sich in den Dienst und damit in die Abhängigkeit des Bischofs von Augsburg und mussten aus dem Stand der Edelfreien ausscheiden. Dieser alte Adel starb im 15. Jahrhundert aus und die reiche Augsburger Patrizierfamilie Rem (1379 – 1462) wurde Besitzer der Herrschaft Bocksberg. Von Jörg Rem weiß die Sage zu berichten, dass er, der eine schwarze Kuh auf Gold in seinem Schilde führte, anno 1417 auf einem Turnier zu Augsburg den Bayernherzog Wilhelm aus dem Sattel hob, so dass er fast ohnmächtig im Sande lag. Abends bei der Festtafel erhielt der Herzog den ersten Preis, einen Lorbeerkranz mit Perlenschnur. Er nahm ihn aber nicht an, sondern überließ ihn Jörg Rem, der ihn redlich verdient habe.

Durch die Heirat mit der Erbtochter Veronika Rem kam die Herrschaft Bocksberg 1462 an den angesehenen Patrizier Andreas Rieter aus Nürnberg. 1524 gelangte Bocksberg an die reiche Frankfurter Kaufmannsfamilie Stetten, die hier vom Kaiser den Adelsbrief erhielt. Die Stetten zog es jedoch bald nach Augsburg und so veräußerten sie 1613 die Herrschaft an Hans Friedrich Schertlin von Burtenbach, der sie im gleichen Jahr an Marquardt und Max Philipp Fugger abtrat. 1635 wurde die Burg im 30-jährigen Krieg völlig zerstört und nicht mehr aufgebaut. 1660 ging die Herrschaft an die Fugger’sche Familienstiftung über, die ihren Verwaltungssitz in das Schlösschen nach Laugna verlegte. Bis 1906 gehörte Bocksberg zur Pfarrei nach Laugna, obwohl im nahegelegenen Modelshausen, das politisch zu Bocksberg zählt, eine Pfarrkirche stand.

Sehenswert in Bocksberg ist die 1748 erbaute katholische Filialkirche Hl. Dreifaltigkeit und St. Leonhard - ein barockes Kleinod. Interessant ist auch der Burgstall auf dem Buschelberg, ein paar hundert Meter südlich von der Ruine gelegen. Er ist ein mittelalterlicher Turmhügel, den Gräben und Wälle umziehen. Herrliche, weithin sichtbare Linden wachsen dort, sie sollen anfangs des 19. Jahrhunderts, als Bocksberg zum Königreich Bayern kam, gepflanzt worden sein.

Bis zum Jahr 1972 war Bocksberg eine selbständige politische Gemeinde mit den Ortsteilen Modelshausen, Hinterbuch und Kaag. Modelshausen ist eine alemannische Siedlung mit der Pfarrkirche St. Peter und Paul. Bis 1992 stand hier auch die Volksschule. Die Vereine bauten sie in ein schmuckes Bürgerhaus um. In Hinterbuch stand früher die Kirche St. Stephan. Heute ist es eine kleine beschauliche Ansiedlung. Der kleinste Ortsteil Kaag (bedeutet Gehaag) wird erstmals am Ende des 17. Jahrhunderts aufgeführt. Er liegt dem Ortsteil Modelshausen gegenüber am Hang des Buschelbergs.

Seit 1972 gehört Bocksberg zur Gemeinde Laugna. Der Gemeinschaftsgeist und Zusammenhalt aber ist geblieben und zeigt sich an großartigen Leistungen wie der 800-Jahr-Feier, Gestaltung des Festplatzes, Umbau der Schule zum Bürgerhaus und auch  bei der Organisation von Veranstaltungen wie dem Historischen Fest anläßlich des 100-jährigen Jubiläums des Schützenvereins oder den jährlich stattfindenden Events wie Sonnwendfeier, Bocksberger Burgmarkt und Open Air "Rock auf der Ruine".

Die Bocksberger Burgruine wird auch auf der Internetseite "Burgeninventar - Burgen und Schlösser in Deutschland und deutschsprachigen Ländern und Regionen" aufgeführt.  Bild unter http://www.burgeninventar.de/specials/393bo.html

 

(An dieser Stelle möchten wir uns ganz herzlich bei Herrn Günther Meitinger bedanken, der uns mit dieser Chronik tatkräftig unterstützt hat.)

 
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